Die Problematik mit dem Lendenübergangswirbel

Lumbosakraler Übergangswirbel (LS-ÜGW) / Lendenübergangswirbel (LÜW) / 8. Lendenwirbel

Drei Begriffe die das gleiche Problem beschreiben. Der Übergang von Lendenwirbelsäule zum Kreuzbein weist
eine Anomalie auf (Typ 0 = nicht betroffen, Typ 1, 2 und 3 beschreiben in Stufen den Schweregrad der Ausprägung).


Vergleich Anomalie (LÜW) zu Normal:

Nadine Schott (Elements Aussies), Züchterin von Cobie, 25.06.2020 zur Problematik des LÜW in der Zucht des Australian Shepherds:



So, nun möchte ich bzgl. der Problematik "LÜW" auch mal ein paar Worte schreiben, da ich (also Cobie) ja nun direkt betroffen bin. Herausgefundenen haben wir es (fast zufällig) im Januar 2018, dass Cobie den LÜW Typ 2 hat. Mit der damals vorhandenen Literatur eine "Schreckensnachricht", da ein LÜW die Entstehung des Cauda Equina Syndroms begünstigt, nicht zwangsläufig dazu führt, aber eben eine erhöhte Wahrscheinlichkeit schlichtweg gegeben ist.

Vom Emotionalen Chaos in den folgen Wochen und Monaten spreche ich hier mal nicht...

 

Die Meinungen bei Fachleuten (Hunde-Physio und Tierärzte) differieren hier bzgl. Hundesport ja/nein bzw. welcher Sport okay ist. Am Ende musste ich einfach rausfinden - welchen Weg gehe ich mit Cobie. Ich habe mich hier tendenziell den Tierärzten angeschlossen, die Hundesport befürworten, allerdings mit Anpassungen. Die Empfehlung ausschließlich Nasenarbeit zu betreiben war für mich keine Option mit einem so jungen Hund. Ob ich die richtigen Entscheidungen treffe weiß ich nicht, aber ich kann den Weg für uns so vertreten. 

 

1.) Cobie bekommt seit der Diagnose alle 4 Wochen eine Osteopathische Behandlung bei einer sehr guten Tier-Physiotherapeutin, die mein vollstes Vertrauen genießt. Bei Bedarf auch mal eine Behandlung zwischendurch.

Dies ist notwendig, da Cobie quasi immer mit Blockaden im hinteren Rückenbereich leben muss. Mal sind diese stärker, mal weniger stark ausgeprägt (oft auch wetter-bedingt). Aber sie sind immer da, schon wenige Tage nach der Behandlung beginnt dies, und dafür muss kein Hundesport oder ähnliches betrieben werden, das bringt die Anatomie des bei ihr vorhandenen LÜW’s einfach mit sich.

 

2.) Regelmäßig werden Übungen durchgeführt die zur Kräftigung der Muskulatur beitragen bzw. diese erhalten sollen. Das sind teils gezielte Übungen, teils Übungen die ich ohnehin in meinem Training (THS wie Obedience) einbinde, Hundeführer die bei/mit mir trainieren wissen was ich meine, denn ich erachte diese Übungen für allgemein wichtig. 

 

3.) Unser Training ist weitestgehend auf Cobie abgestimmt. (hohe) Sprünge, Stopps etc. vermeide ich und bringe diese nur im minimalst notwendigen Maß im Training unter. Dies auch nur dann, wenn Cobie einen guten Tag hat.

Seit Cobie 4 Jahre alt ist setzen wir das Wintertraining komplett aus, also 4 Monate kein Hundesport nur Hometraining.

 

4.) Cobie ist ein wirklich sehr intelligenter Hund. Vorteil, es braucht nicht viele Wiederholungen bis etwas abrufbar ist, das kommt uns also gelegen. Nachteil, sie will gearbeitet und beschäftigt werden (was ich niemals als Nachteil empfinde).
Auf’s Abstellgleis stellen ist also keine Option, geistig nicht vertretbar, und auch der Körper muss kräftig sein.

 

5.) Es fällt auch öfter mal das Training aus. Ein „normales“ Pensum von 2x die Woche Hundeplatz fahren wir selten. Nach der osteopathischen Behandlung ist eh 2-3 Tage kein Training angesagt. Zwei Tage „Ruhe“ und am dritten Tag ist dann Jogging angesagt (1-2x pro Woche eine halbe Stunde). Und wenn ich sehe es passt körperlich an einem Tag nicht gut, dann fällt das Training eben spontan aus. So kommen wir vielleicht auf 6-7 Mal Hundeplatz Training im Monat.

 

6.) Turniere und Trials kommen in der Tat zusätzlich hinzu, aber auch hier achte ich penibelst darauf, die Sportarten abwechselnd zu betreiben um einseitiges Training über einen längeren Zeitraum zu vermeiden und die Belastungen, die beim Turnier durchaus punktuell da sind, möglichst breit zu streuen.

 

7.) THS trainieren wir nur auf einem Basis-Niveau, was für mich anfangs schwer war zu akzeptieren, denn sie ist DER perfekte Vierkampf-Hund. Aber intensives und hohes Sprungtraining können wir einfach nicht betreiben. Mit den Basiscs und im Sommer mal ein paar Sprungeinheiten haben wir es aber immerhin geschafft mit 5 Starts in den VK3 aufzusteigen. Im VK3 haben wir im Jahr 2019 vier Starts gehabt, drei davon auf Meisterschaften. Im Vergleich zu meinen alten Aussies eindeutig viel weniger Training und deutlich weniger Turnierstarts.

Anstelle dessen widmen wir uns eben mehr dem Obedience-Training, wobei auch hier viel im breit-gefächerten Basis-Bereich geschieht. Mit soliden Grundlagen, lernt der Hund die schwierigen Dinge am Ende um so schneller mit weniger Anstrengung.
ASCA Obedience ist derzeit die bevorzugte Sportart, da es "hundefreundlicher" als VDH Obedience ist. Das Training ist somit auch oft auf die hundefreundlichen Elemente im Obedience abgestimmt. Rally-Obedience trainieren wir gar nicht. Starten aber sehr gern auf Turnieren, denn hier ist alles erlaubt was mir und Cobie gefällt, vor allem viel Lob und Anerkennung. 

Gelegentlich gehen wir auch mal Schafe hüten, wer Cobie schon mal hüten gesehen hat wird schnell sehen, dass es sie mehr mental als körperlich anstrengt.

 

9.) Wenn man das so liest kann man denken - ja die machen aber doch ganz schön viel. Aber wer das denkt, der kann uns gerne mal besuchen kommen. Ich akzeptiere Cobie's Schwächen und versuche nicht an Dingen zu feilen, die ihr einfach nicht leicht fallen. Es ist mir egal, wenn sie gewisse Dinge nicht 100% nach Prüfungsordnung durchführt, denn sie gibt 100% dessen was sie geben kann. Wir machen viele Dinge nicht leistungs- oder ergebnisorientiert. Wir werden im Vierkampf vermutlich nie das erreichen können was möglich gewesen wäre, wenn sie den LÜW nicht gehabt hätte. Wir werden uns im VDH Obedience sicherlich nicht den Anforderungen einer Klasse 3 stellen um uns dann runter richten zu lassen, weil der Hund manches nicht "perfekt" genug macht. Wir bleiben bei unserem breit gestreuten Training, das wir punktuell immer mal anders gestalten. Aber die meisten wären überrascht, was mit gutem Basis-Training alles möglich ist, und dabei muss man den Hund nicht an seine Leistungsgrenzen führen... 

Cobie liebt die Arbeit und die Beschäftigung, sie ist wissbegierig und agil, und ich wäre ein schlechter Aussie-Besitzer, wenn ich das nicht auch sehen würde. So gehen wir mit etlichen Dingen einen Kompromiss ein, ich versuche dabei ihre und meine Wünsche trotzdem irgendwie zu befriedigen. Denn letztlich leben wir im HIER & JETZT, und können nicht immer jeden Moment mit der Angst leben was alles passieren könnte. Dabei vergesse ich jedoch nie, was die Konsequenz sein kann... daher sind die Einschränkungen einfach so wichtig.

 

10.) Und letztlich vergeht kein Tag, im Klartext kein Spaziergang, an dem ich mir keine Gedanken um Cobie mache. Wie läuft sie heute, besser / schlechter, gleich gut, haben wir von etwas zu viel oder zu wenig gemacht, was haben wir gemacht, warum sie heute schlechter geht als gestern, liegt es am Wetter oder Joggen oder Training – Fragen über Fragen – bei jedem Gassigang.
Ich beobachte sie (zu?!) genau und entscheide zeitnah wie oder mit was ich reagieren muss/kann. Unbeschwertheit - das Wort kenne ich in diesem Zusammenhang nicht mehr. Zudem bei jedem Vertreten (was jedem normalen Hund mal passiert, und völlig normal ist) direkt die (bislang unbegründete) Sorge es könnte was richtig Ernsthaftes sein.

 

Es war mir einfach mal wichtig ein paar Zeilen aus meiner Sicht zu schreiben. Ein LÜW ist kein Weltuntergang (zudem kommt es ja auch auf den Typ an), aber eben dennoch eine ernst zu nehmende Anomalie die sich auf den Bewegungsapparat des Hundes und dessen Belastbarkeit auswirkt. Viele sehen immer nur die „Außenwirkung“ eines Hundes oder Mensch-Hund-Teams und ziehen ihre Schlüsse daraus. Was dahinter steckt sehen ja die Wenigsten (OK ist auch schwer).

Ich habe einen für Cobie und mich angepassten Weg gefunden damit umzugehen und ich kann nur für Cobie hoffen, dass ich es gut mache…

Sie ist definitiv glücklich und zufrieden und ich kann jeden Tag in den Spiegel schauen ohne mir selbst etwas vorzumachen. Es bedeutet Einschränkung und Verzicht für uns beide, und dabei dennoch genügend Spaß und Auslastung. Hoffentlich noch viele Jahre!!